Es geht ja doch – Leitartikel zu Bosch

Ravensburg (ots) – Wenn das keine Ansage ist: Bosch-Chef Volkmar Denner stellt sich hin und sagt, die Technik seines Konzerns ermöglicht es, die Stickstoffemissionen von Dieselautos auf bis zu 13 Milligramm pro Kilometer zu senken – und zwar im gesetzlichen vorgegebenen Mix aus Stadt-, Überland- und Autobahnfahrten. Eben im Realbetrieb.

Ob diese Technik den umstrittenen Diesel nun für das nächste Jahrzehnt rettet oder nur seinen Überlebenskampf für eine kurze Zeit verlängert verlängert, muss sich zeigen. Sicher ist: Der Vorstoß des baden-württembergischen Unternehmens verändert die Diskussion um die Zukunft des Diesel und die Debatte um den Abgasbetrug von Grund auf. Denn in Denner hat nicht der Chef eines kleinen Ingenieurbüros das neue Maß aller Dinge vorgegeben, sondern der weltgrößte Autozulieferer. Bosch setzt die gesamte Autoindustrie und die Politik mit diesen Aussagen unter Zugzwang.

Denn die Offensive von Bosch zeigt: Die Konzerne können komplexe Probleme lösen, wenn sie denn wollen. Jedem Vorstandschef, der wegen strengeren Grenzwerten in Wehklagen ausbricht, wird künftig das Beispiel Bosch vorgehalten werden. Der Druck auf die Autobauer, auch Besitzern älterer Dieselfahrzeuge eine anmessende Lösung für ihren Wagen anzubieten, wird unausweichlich steigen. Und all den Lobbyisten, die wegen willkürlich gesetzter Grenzwerte einen Angriff auf die gesamte deutsche Autoindustrie gewittert haben, sind durch diese Weiterentwicklung nun einige Argumente verloren gegangen.

Vor allem aber: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und seine Behörden werden nun nicht mehr umhin können, gesetzliche Grenzwerte als das zu behandeln, was sie sind: als Grenzen, die das Erlaubte vom Verbotenen unterscheiden. Nun gibt es erst recht keine Ausrede mehr, den Übertritt eben dieser Grenzwerte nicht streng zu ahnden. Und dass es für die deutsche Autoindustrie möglich ist, auch innerhalb der gesetzlichen Grenzen funktionierende Systemlösungen zu entwickeln, zeigt das Beispiel Bosch.

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