Der große Wurf Kommentar zum Takeda-Deal von Sabine Wadewitz

Frankfurt (ots) – Der japanische Pharmakonzern Takeda beweist Mut und finanzielle Flexibilität, um sich den Wettbewerber Shire in einer Milliarden-Übernahme einzuverleiben. Die Offerte über 64 Mrd. Dollar ist der größte Deal für ein japanisches Unternehmen aller Zeiten. Der Konzern aus Osaka versucht sich an Superlativen. Dabei bietet Takeda nicht die Gewichtsklasse eines Sumoringers auf, um den irischen Rivalen niederzuringen. Zwar sind beide Pharmaspieler vom Umsatz her auf Augenhöhe, in der Marktkapitalisierung kann Takeda dem Gegenpart aber nicht das Wasser reichen.

Seit einem Monat versucht das Management aus Nippon, seine Offerten für Shire immer wieder neu zu mischen, wobei die Bewertung selbstredend kontinuierlich nach oben gewandert ist. Um den Erwerb möglich zu machen, setzt Takeda in erheblichem Maße eigene Aktien ein, so dass die Transaktion den Charakter einer Fusion erhält. Die bisherigen Shire-Aktionäre werden bei Zustandekommen des Deals etwa die Hälfte an der vergrößerten Takeda halten, sofern sie an Bord bleiben. Es spricht für die aktuelle Robustheit des M&A-Marktes, dass solche liquiditätsschonenden kombinierten Angebote akzeptiert werden.

Japanische Unternehmen haben erst vor gut zehn Jahren damit begonnen, auch außerhalb des heimischen Marktes nach Akquisitionszielen zu suchen. Das relativ neue Phänomen hat mit der wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung in dem Land zu tun, die es erforderlich macht, Wachstumschancen im Ausland zu suchen. Das ist gerade für Pharmaunternehmen von Bedeutung, und Takeda hat sich schon in den vergangenen Jahren mit Erwerben in Europa und in den USA aktiv auf den Weg gemacht. Christophe Weber, der aus Frankreich stammende erste Ausländer auf dem CEO-Sessel, ist angetreten, aus dem Unternehmen einen „echten Global Player“ zu formen. Mit Shire, die in den USA gut vertreten ist, käme er hier einen großen Schritt voran.

Takeda muss für den Deal tief in die Tasche greifen. Die Übernahmeprämie ist im Verlauf des Werbens auf mehr als 50% geklettert. Wenn man die Multiples auf das operative Ergebnis betrachtet, bricht die Transaktion aber nicht nach oben aus. Shire ist zudem ein Unternehmen, das auf die Behandlung seltener Krankheiten spezialisiert ist und damit in einem Segment arbeitet, in dem hohe Medikamentenpreise erzielbar sind. Ein üppiger Cash-flow erlaubt es Pharmafirmen zudem in der Regel, eine hohe Verschuldung rasch zurückzuführen.

(Börsen-Zeitung, 26.04.2018)

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