Neues Radio Bremen-Reportageformat „Rabiat“ startet: „Drogenrepublik Deutschland“ am Montag, 30. …

Bremen (ots) – Es ist kurz vor Mitternacht, Hendrik zieht die erste Line Speed. Auf dem Wohnzimmertisch stehen ein paar Flaschen Bier, der Aschenbecher qualmt. Daneben ein Tütchen mit bunten Pillen und zwei weitere mit kristallinem Pulver. Speed, MDMA, Ecstasy – das gehört für Hendrik und seine Freunde zu einer guten Partynacht dazu. Und die startet gewöhnlich Zuhause. Vier Stunden später werden sie im Club die erste Pille teilen. „Jetzt gleich Augen zu und tanzen“ – Urlaub im Kopf. „Das macht einen oberglücklich, es ist alles so schön und man mag alle umarmen.“

Hendrik ist Mitte 30, Akademiker. Er ist reflektiert, steht mitten im Leben – und nimmt gern chemische Drogen. Alle ein, zwei Monate tanzt er in einem Berliner Elektroclub mit seinen Freunden bis zum nächsten Mittag.

Dass er kein Einzelfall ist, zeigen die Ergebnisse der Global Drug Survey, der weltgrößten Drogenumfrage, bei der auch 2017 wieder über ein Drittel der Teilnehmer angab: „Ja, ich nehme Drogen.“ Mehr als die Hälfte der Konsumenten hatte im vergangenen Jahr gekifft, jeder vierte schluckte Ecstasy oder schnupfte MDMA, zwölf Prozent koksten. Dennoch gelten gerade chemische Drogen weiterhin als Teufelszeug. Einmal genommen, schon in der Abwärtsspirale. Wer Drogen nimmt wird abgestempelt, denn Drogen haben ein hohes Suchtpotential. Aber wird jeder, der Drogen nimmt, auch süchtig? „Man kann Drogen auch verantwortungsvoll nehmen“, sagt Hendrik. Stimmt das?

Rabiat-Reporterin Anne Thiele hat Menschen wie Hendrik für die Radio Bremen-Reportage „Drogenrepublik Deutschland“ kennen gelernt und sie durch die Nacht begleitet. Sie ist dabei, wenn Dealer Toni per Taxi Drogen zu seinen Kunden kutschiert. Mehr als 200 Kunden verkauft er sein Koks. Von der Putzfrau, über den Studenten bis hin zum Anwalt oder der Ärztin.

Velcro ist 21, Youtuber, er spricht auf einem eigenen Kanal über seine Drogenerfahrungen und hat damit ein Millionenpublikum erreicht. Seitdem er 17 Jahre alt ist, probiert er sich munter durch psychoaktive Substanzen. Er war fasziniert davon, wie man mit den Drogen, die er einfach im Internet bestellte, sein Bewusstsein erweitern kann. Doch sein Bewusstsein hat das viele Experimentieren nicht gut verkraftet. „Danach, als ich das abgesetzt hatte, gab’s auch schon – weil ich so hohe Mengen konsumiert hatte – da gab’s Entzugserscheinungen. Starke Depressionen, die schlimm waren, ekelhafte. Dann kam so `ne Woche mit: Ok, kann sein, dass ich mich jetzt umbringe.“

Auch Kelvin hat schon einige Substanzen ausprobiert. Zur Selbsttherapie. Der 33-Jährige leidet an Depressionen und bisher hat kein Medikament richtig gewirkt. Ohne Cannabis oder andere illegale Substanzen wäre sein Leben oftmals die Hölle, sagt er. Er steht mit seinem Konsum immer auch mit einem Bein im Knast. Deshalb wünscht er sich eine andere Drogenpolitik. Eine Entkriminalisierung der Konsumenten sei längst überfällig.

In der Rabiat-Reportage „Drogenrepublik Deutschland“ geht Anne Thiele der Frage nach, warum Menschen Drogen nehmen. Ist der chemische Rausch immer nur schlecht? Können Drogen gar verantwortungsvoll genommen werden, vielleicht sogar bereichernd sein? Wie gefährlich sind Drogen und welche Folgen hat der Drogenkonsum?

Stabliste: Autorin: Anne Thiele Kamera: Andy Lehmann, Matthias Bähr Ton: Volker Wendisch, Julian Kiesche Schnitt: Christof Kette Producer: Manuel Möglich, Christian Tipke Produktionsleitung: Michael Kappler Redaktion: Susanne Brahms (Radio Bremen) Leitung: Thomas von Bötticher (Radio Bremen)

Eine Produktion der Sendefähig GmbH im Auftrag von Radio Bremen für Das Erste © 2018

Rabiat – neues junges Reportageformat von Radio Bremen

Radio Bremen wird rabiat. Der Sender bringt ein Reportageformat ins Erste, das jungen Reporterinnen und Reportern die Möglichkeit gibt, ihre Geschichte für ein großes Fernsehpublikum zu erzählen. Die Autorinnen und Autoren veröffentlichen ihre Reportagen seit knapp zwei Jahren als „Y-Kollektiv“ (https://www.youtube.com/y-kollektiv) für funk, das Contentnetzwerk von ARD und ZDF. Sie sind preisgekrönt, nominiert, mindestens aber auffällig. Journalistinnen und Journalisten mit Haltung und Tiefgang im On, die auch mal voll in die Kamera sprechen. Öffentlich-rechtliche Werte hat das Team verinnerlicht, doch die Schmerzgrenze liegt woanders. Der Fokus richtet sich auf die teilnehmende Beobachtung, das Kennenlernen, das Erleben. In den sechs Reportagen der Staffel, die ab dem 30. April 2018 immer montags um 22:45 Uhr im Ersten laufen, sind sie ganz nah dran; ob bei einem Koks-Deal, als Zielscheibe eines Shitstorms im Netz oder bei einer Partynacht im SM-Club. Die Macherinnen und Macher werden mit ihrer subjektiven Erzählweise Zuschauerinnen und Zuschauern auch mal vor den Kopf stoßen. Sie bauen Klischees in den Filmen auf, um sie postwendend zu brechen. Neue Sichtweisen sollen sich eröffnen. Die Filme wollen, sollen, ja sie müssen polarisieren, denn das macht gute Geschichten aus.

Die Pressemappe zum neuen Radio Bremen-Reportageformat „Rabiat“ im Ersten kann beim

– Pressedienst Radio Bremen (http://ots.de/VZptLZ) und – Pressedienst Das Erste (https://presse.daserste.de/) und – bei der Radio Bremen Presse/ÖA (Tel.: 0421/246-41050, presseinfo@radiobremen.de)

abgerufen werden.

Die Fotos sind bei ARD Foto (http://www.ard-foto.de/) und der Film im Vorführraum des Pressedienstes Das Erste (https://presse.daserste.de/pages/vorfuehrraum/liste.aspx) abrufbar.

Quellenangaben

Textquelle:Radio Bremen, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/118095/3928632
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