Kommentar Ströbele und die RAF-Geheimnisse Deutschland ist noch nicht fertig Martin Fröhlich

Bielefeld (ots) – Zwei Ex-Politiker der ersten Reihe im Bundestag waren einst Anwälte der „Rote Armee Fraktion“: Otto Schily, später Bundesinnenminister, und Hans-Christian Ströbele, lange Jahre eine Leitfigur der Grünen. Ihre Vergangenheit am Verteidigertisch von Andreas Baader und Co. hat sie nie so ganz losgelassen. Mehrfach ist Ströbele zu dem Thema befragt worden, unter anderem als der Vorwurf aufkam, er habe zum Aufbau eines Info-Systems der Terrorzelle in den 70ern beigetragen. Ströbele gab sich meist einsilbig und erklärte, er dürfe als Verteidiger nicht über seine Mandanten sprechen. Jetzt äußert er sich plötzlich vieldeutig. Er spricht von Geheimnissen der RAF, die er möglicherweise noch enthüllen will. Sein Statement gipfelt in der eiskalten Aussage, dass er von unschuldig Verurteilten wisse, weil er die wahren Täter kenne. Ströbeles Verhalten mag durch die anwaltliche Schweigepflicht gedeckt sein, doch warum sagt er dann so etwas? Wenn er zur Aufklärung von noch immer ungeklärten RAF-Verbrechen beitragen will und kann (und muss?), dann soll er das endlich tun. Wenn er Geheimnisse kennt, dann soll er sie lüften, denn Deutschland ist noch nicht fertig mit der Aufarbeitung jener Zeit. Jedes Fitzelchen Wahrheit hilft. Seine Kritiker haben ihm immer wieder vorgeworfen, er verharmlose die Taten der RAF auch nach Jahrzehnten noch. Ströbele hätte jetzt Gelegenheit, das Gegenteil zu beweisen. Oder hat er sich mit seinen Andeutungen nur in den Vordergrund spielen wollen?

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