Meisterbrief und Handwerksordnung

Bielefeld (ots) – Billig kann ganz schön teuer werden – egal ob Lebensmittel, Medikamente, eine Jacke oder ein Auto gekauft werden, ob man eine Reise bucht oder ein Haus baut. Diese Erfahrung hat jeder schon gemacht. Und diese Erfahrung muss im Prinzip auch jeder machen dürfen. Ansonsten gäb es eine Planwirtschaft, in der Bürokratie und Kontrolle noch größer wären als sie ohnehin schon sind. Kreativität und Erfindergeist würden vollständig unterdrückt, während die Preise ins Unermessliche anstiegen. Die Alternative zur Planwirtschaft ist jedoch nicht die totale Marktfreiheit, in der jeder tun und lassen kann, was er will, und der wirtschaftliche Erfolg alles rechtfertigt. Die richtige Alternative ist eine geregelte freie Marktwirtschaft, in der sich ökonomisches Handeln innerhalb vorgegebener Bahnen abspielt. Sie ist realitätsnah, weil sie richtigerweise davon ausgeht, dass kaum ein Verbraucher in allen Branchen gleichermaßen fachkundig ist. Solche Allround-Genies gibt es. Aber sie sind selten. Deshalb ist etwa bei Ärzten, Apothekern, Anwälten und Architekten die Unternehmensgründung an gewisse, in diesem Fall universitäre Abschlüsse gebunden. Auch wer sich Lehrer, Kindergärtner, Polizist oder Bankangestellter nennt, muss vorab eine Ausbildung absolvieren. Nur bei bestimmten Handwerkern bewertete 2003/2004 eine Gruppe von Politikern in Berlin und Brüssel die Anforderungen an eine vorangegangene Ausbildung als unnötige Einschränkung der wirtschaftlichen Freiheit. Seit der Reform der Handwerksordnung sind bald 15 Jahre vergangen. Da ist es Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Stellt sich heraus, dass die mit der Änderung verknüpften Erwartungen auf mehr Langzeitjobs nicht eingetreten sind, der befürchtete Schaden an anderer Stelle aber sehr wohl, dann sollte es möglich sein, auch politische Fehler zu korrigieren. In der Wirtschaft ist Nachbesserungspflicht Alltag. Für den Verbraucher sind die Fälle ärgerlich und zeitaufwendig. Und wenn sich ihr der Ersteller der Leistung durch Wegzug oder Insolvenz entzieht, sind Nacharbeiten auch teuer. Die Rückführung einiger Berufe in die Handwerksrolle A, bei der die Meisterprüfung Voraussetzung für Selbstständigkeit ist, macht die Auswahl eines Handwerkers für den Verbraucher planbar – ohne dass daraus Planwirtschaft entsteht. Schließlich hat die Vergangenheit gezeigt, dass es genug qualifizierte Jugendliche mit Interesse am Erwerb des Meisterbriefs gibt – sofern sie daraus den Vorteil schöpfen können, nicht mit Billigstkonkurrenz verglichen zu werden, die nicht ausbildet, keine Sozialversicherung und oft auch kaum Steuern zahlt und nach getaner Arbeit einen großen Pfusch hinterlässt. Gute Arbeit nach guter Ausbildung aus Meisterhand: Das sollte auch die Wächter der Freizügigkeit in Brüssel überzeugen.

Quellenangaben

Textquelle:Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/66306/3935179
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