Vereidigungsfeier der NRW-Polizei Haltung und Respekt Florian Pfitzner, Düsseldorf

Bielefeld (ots) – Vor zweieinhalb Monaten ist Rap-Superstar Kendrick Lamar auf derselben Showbühne aufgetreten wie Kommissar Michael „Mitch“ Mattern. Und was soll man sagen, bei dem Konzert des Grammy- und Pulitzer-Preisträgers Lamar haben in der Kölner Lanxess-Arena mehr Köpfe genickt als beim Polizisten-Rapper aus Köln-Sülz während der Vereidigungsfeier der NRW-Polizei. Trotzdem lieferte „Mitch“ Mattern in seinem rau gerappten Song „Polizei ist“ zwei, drei Wahrheiten, die seine Dienstherren selten besser auf den Punkt gebracht haben. Polizei sei „Vorbeugung, Opferschutz – auch für die Kollegen“, heißt es in den Textzeilen. Und was die Vergangenheitsbewältigung im Job angeht, hat er zudem eine klare Haltung. Der Kölner Kommissar warnt in seinem selbst gereimten Lied, das seine Chefs längst in ihren Werbekanon für die Nachwuchsgewinnung aufgenommen haben, vor den Gefahren und Unwägbarkeiten seines Berufs. Und er fordert ein gewisses Maß an Respekt. Das haben die Polzisten mehr denn je verdient. Gerade angesichts der zunehmenden Übergriffe, derer sie sich heute ausgesetzt sehen. 9.000 zählte der oberste Dienstherr der NRW-Polizei, Herbert Reul, allein im vorigen Jahr. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Polizei. Regelmäßige Razzien bei Rockern und mutmaßlichen Terroristen, zumindest bei „Gefährdern“, überdies Fußballeinsätze und allerlei weitere Sonderaufgaben wie zuletzt im Umgang mit geflüchteten Menschen, die Fingerspitzengefühl verlangen. In dieser Stimmungslage rüstet die schwarz-gelbe Landesregierung in NRW wie die rot-schwarze in Niedersachsen oder die CSU-geführte Staatsregierung in Bayern seine Polizei gewaltig auf. Was das heißt, zeigte sie vor der Veranstaltungshalle in Köln. Neben Reiterstaffel und Tauchergruppe fuhr man Helikopter auf und geschützte Sonderfahrzeuge, tonnenschwere Panzerwagen, die „Feuern aus dem Innenraum“ zur ihrer Kabinenausstattung zählen. Die Leistungsschau war ein zusätzlicher Beleg für die Militarisierung der Polizei. Man sollte sie mit jedem „Sicherheitspaket“, das Politiker in die Parlamente einbringen, streng hinterfragen. Statt für die großflächige Ausweitung der Befugnisse gab es bei der Vereidigung in Köln langen Beifall, als der Regierungschef ein Höchstmaß an Schutz für die Beamten versprach und zu mehr Wertschätzung mahnte. Polizisten-Rapper Mattern dürfte aufmerksam zugehört haben.

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