Zwischentief Kommentar von Stefan Schaaf zum Marktgeschehen

Frankfurt (ots) – Es war eine gute Woche, jedenfalls für Schwarzseher, Weltuntergangspropheten – und diejenigen, die aus dem Pessimismus der anderen ein Geschäftsmodell gemacht haben, so schlicht es auch sein mag. Was ist geschehen? Die USA haben das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt, und Italien steht vor einem Regierungsbündnis von Rechtsradikalen und Populisten. Beides keine guten Nachrichten für die Menschheit, aber es muss deshalb nicht von Krieg und Staatspleite bzw. Euro-Austritt geredet werden.

Während bei manchen Kommentatoren der Puls in die Höhe ging, zeigten sich die Kapitalmärkte ungewohnt rational. Der Ölpreis stieg wie zu erwarten an, erreichte sogar ein Dreieinhalbjahreshoch. Und der Risikoaufschlag für italienische Staatsanleihen zog wie zu erwarten an. Doch wirkliche Unruhe kam nicht auf. Letztlich wird der Ölmarkt auch ohne iranische Lieferungen nach Europa funktionieren, und für die Weltwirtschaft ist die islamische Republik zu klein, um positive globale Wachstumsprognosen über den Haufen zu werfen.

Auch im Fall Italiens blieben die Marktreaktionen verhalten, der Spread zehnjähriger Staatsanleihen zu denen des Bundes als Benchmark der Eurozone weitete sich in der abgelaufenen Woche zwar um rund 8 Basispunkte (BP) aus und erreichte am Mittwoch 138 BP. Das war allerdings nur ein Niveau, das schon im März erreicht wurde und weit entfernt vom Krisenmodus des Jahres 2011.

Aber war da nicht etwas mit dem Euro? Ja, die Gemeinschaftswährung ist am Mittwoch auf ein Jahrestief von 1,1823 Dollar gefallen. Vereinzelt wurde dies mit „wiederaufkeimenden Italien-Sorgen“ begründet. Nun ist die Aussicht auf eine unsolide Finanzpolitik in Rom kein gutes Omen für den Euro, er wird aber deshalb nicht gleich zerbrechen. Außerdem ist seine aktuelle relative Schwächephase – im März 2017 stand er noch bei rund 1,05 Dollar – Ausdruck einer breiten Dollar-Stärke.

Zunächst jedoch noch ein Wort zu Italien, das im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft auf einen schweren Sommer an der Seitenlinie zugeht, ansonsten aber deutlich besser dasteht, als wahrgenommen wird. Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktion steigen kräftig, nicht nur Unicredit, sondern auch die bisherige Krisenbank Monte dei Paschi macht wieder Gewinn.

Geht es um den Euro-Dollar-Kurs, so dreht sich momentan alles um die Zinsdifferenz zwischen Bundesanleihen und US-Treasuries. Und die spricht eindeutig für den Greenback. Dessen jüngste Aufwertung begann mit Erreichen der 3-Prozent-Marke im Zehnjahresbereich am 24. April. Die Renditen von Euro-Staatsanleihen zogen zwar nach, aber in geringerem Maße. Die Folge: Der Renditeaufschlag im Zehnjahresbereich, der für den Euro-Dollar-Kurs zuletzt immer wichtiger wurde, hat am vergangenen Mittwoch fast 245 BP erreicht und lag damit so hoch wie noch nie seit Einführung des Euro 1999.

Grund für die Spread-Ausweitung ist zum einen, dass die Wirtschaft der Eurozone nicht mehr ganz so schwungvoll wie noch 2017 wächst und die EZB die Straffung der Geldpolitik behutsamer angeht, als viele Marktakteure erwartet hatten. Zugleich spricht vieles für weitere Leitzinserhöhungen der Federal Reserve, wobei die 3 % als Obergrenze gesehen werden.

Die Frage ist allerdings, wie tragfähig dieser Zinstrend anhand des aggressiven Isolationismus und der unsoliden Haushaltspolitik der Trump-Regierung ist. Dies spricht dafür, dass der Euro aktuell nur in einem Zwischentief steckt. Die Frage ist vielmehr, wann das Pendel gegen den Dollar ausschlägt. Mittelfristig wird dies kommen, sind viele Akteure überzeugt und halten Kurse von 1,40 bis 1,50 Dollar dann auch für wahrscheinlich. Ein Weltuntergang ist dies dann aber auch nicht.

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