Wirklichkeit überholt Bischöfe – Kommentar zum Katholikentag

Ravensburg (ots) – Katholikentage sind wie Familientreffen: Mitunter wird heftig gestritten. Warum soll das beim Christentreffen, das morgen in Münster endet, anders sein? Konflikte, die sonst nicht ausgetragen werden können, finden ihren Platz, ihren Raum und ihre Zeit. Wenn der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer erwartet, dass die Christentreffen sich mit Forderungen zu Glaubensfragen zurückhalten, hat er vieles nichts verstanden.

Es sei nicht Aufgabe der Laien, laute Forderungen in Fragen der Sakramentenlehre zu erheben, lautet Voderholzers Credo. Zunächst fehlt ihm das Verständnis, dass spätestens nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Laien ihren Platz in der katholischen Kirche gefunden haben: mitbestimmend, auch leitend. Hinter dem Vorstoß steht aber keineswegs nur der Streit um den Kommunionempfang für evangelische Ehepartner in konfessionsverschiedenen Ehen. Im Grunde wendet sich Voderholzer auch gegen Papst Franziskus, der Priester und Bischöfe als eine Minderheit bezeichnet, die der Mehrheit der Laien dienen müsse.

Der Streit in der Bischofskonferenz wird noch eine Weile anhalten. Letztlich geht es dabei um die Frage: Bist du für oder gegen das System Franziskus? Dass die pastorale Wirklichkeit sich längst für den Papst entschieden hat, ist im Grunde längst klar. Nur eben nicht jedem Bischof.

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