Internationale Experten diskutierten „Urbane Transformation durch Kunst“ bei der SIAC in Shanghai

Shanghai (ots/PRNewswire) – Das Forum zum Thema „Urbane Transformation durch Kunst“, gemeinsam ausgerichtet von der SAFA (Shanghai Academy of Fine Arts, Shanghai University), Baowu Steel Group, TICCIH (The International Committee for Conservation of Industrial Heritage) und LIHC (League on Industrial Heritage in China) und organisiert vom SIAC (Shanghai International Art City) Research Institute, ist keineswegs eine einmalig stattfindende Ideenplattform, um ein großes Projekt zur Transformation des Industrieerbes von Bao Steel in eine Kunststadt zu präsentieren. Stattdessen wird dieses Projekt ein wichtiger Testfall für China werden, wo es heute ein reichhaltiges industrielles Kulturerbe gibt.

Das zweitägige Forum (11.-12 Mai) wird auch nach der Veranstaltung aufgrund seiner Größe, des Ansehens der Redner und der Bedeutung des Themas ein Echo finden. SIAC (Shanghai International Art City) zog die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich, da es als wichtig betrachtet wird, das industrielle Erbe von Schlüsselindustrien wie Bao Steel in eine Kunststadt umzuwandeln.

Prof. Hang Jian, Akademie der Künste Chinas, sprach über 100.000 ambitionierte Pläne zur Erhaltung des Kulturerbes, die derzeit von der chinesischen Regierung auf den Weg gebracht werden. Dazu gehören eine Regeneration des Industrieerbes, aber auch Erhaltungspläne für traditionelle ländliche Gebiete Chinas und die dort vorherrschenden Lebensweise. China hat mehr als 5.000 Jahre Geschichte aufzuweisen, jedoch ist die Erfahrung der Industrialisierung lediglich 160 Jahre alt.

Am ersten Veranstaltungstag besuchten die Teilnehmer das industrielle Kulturerbe von Bao Steel und konnten vor Ort noch einmal der schweißtreibenden Arbeit nachspüren, die die Arbeiter dort für den Wohlstand und die Industrialisierung Chinas geleistet haben. Einer der Teilnehmer machte den Vorschlag, dass das Industrieerbe von Bao Steel dauerhaft als eine Art sakrale Arbeitsstätte durch eine nur minimale Restaurierung erhalten werden sollte.

Das Forum teilte sich in vier verschiedene Forschungsthemen unter dem Haupttitel „Urbane Transformation durch Kunst“ auf – eine Überschrift, die eine Neugestaltung des industriellen Erbes andeutet. Während des Forums wurden auch Erneuerungspläne mithilfe der Künste erörtert, und wie man ein industrielles Kulturerbe durch Architektur und Stadtplanung wieder zum Leben erwecken kann.

Zusammenfassung der Diskussion

1. Ein Museum ist nicht nur ein Ort für Ausstellungen und ein Tempel für Sammlungen, sondern eine Plattform für die Öffentlichkeit, um zusammenzukommen, sich zu beteiligen und aktiv Stellung zu beziehen. Das Publikum von heute besteht nicht aus passiven Besuchern, die von Fachleuten der Institutionen belehrt werden müssen, sondern es sind meinungsstarke Beteiligte am Geschehen. Museen sollten ihren Status als Eigentümer an das Museumspublikum übertragen.

2. Verhältnismäßige Erfolgsgeschichten der industriellen Revitalisierung konnte man im Westen und in China verzeichnen. Beispiele sind das aus einem Bahnhof entstandene Musée d’Orsay in Paris, der von einer Schiffswerft- und Hafenanlage umgebaute Arsenale-Ausstellungsbereich der Biennale Venedig, das aus einem Berliner Bahnhofsgebäude hervorgegangene Museum für Gegenwart namens Hamburger Bahnhof in Berlin, das Wiels-Zentrum für zeitgenössische Kunst in Belgien u. a. Vorgestellt wurden ebenfalls die Chin Pagoda und Hangzhou Pagoda in China von Stephen Hughes, dem Generalsekretär der TICCIH. Allerdings wurden keine Beispiele für kontroverse industrielle Revitalisierung präsentiert. Die Erfolgsgeschichten variieren und sind diskussionswürdig und auch die Misserfolge variieren stark und sind gleichermaßen teilweise umstritten.

3. Warum konzentrieren sich die meisten Erfolgsgeschichten für eine Transformation des Industrieerbes auf Kunstmuseen, Kunstzentren oder an Kunst orientierten Einrichtungen? Ist Kunst so wichtig? Ist Kunst ein Opfer? Oder liegt es einfach daran, dass es kostengünstig ist, kunstbezogene Räume zu schaffen? Ist Kunst beiläufig, einfach oder gefährdet? Warum nicht Architektur?

4. Die Revitalisierung des industriellen Erbes sollte in der Lage sein, nicht nur das Andenken an den Prozess der Erhaltung, sondern auch an die Geschichte der Nutzer zu bewahren. Die Regeneration des Industrieerbes wird oft lediglich als ein Eingriff oder als Zertrümmerung von Gebäuden verstanden. Sie könnte jedoch auch wie eine kraftspendende Injektion und eine erneuerte Verbindung zur Geschichte wirken.

5. SIAC (Shanghai International Art City) sollte keine Stadt des Tourismus mit Kunst sein. Eine Kunststadt ist keine Touristenstadt, die Kunst lediglich benutzt, denn die qualitativen Eigenschaften der Stadt sind wichtiger. Qualität ist ein Garant des Lebens.

6. Bei Revitalisierung geht es um eine erneute Nutzbarmachung. Es ist wie bei zwei Stäbchen oder Essstäbchen, die stets im Plural genannt werden, da ein einzelnes Essstäbchen so gut wie nutzlos ist. Kunst kann man mit diesen chinesischen Essstäbchen vergleichen. Die Stätte des Baowu-Kulturerbes ist 26 Quadratkilometer groß, tatsächlich befinden sich in Shanghai allerdings 230 Quadratkilometer mit Kulturstätten, die verjüngt werden müssen.

7. Die Beziehung zwischen Kunst und Verjüngung der Stadt ist nicht unvermeidbar und endgültig. Liegt der Grund darin, dass Kunst erschwinglicher ist als jedes andere Medium? Urbane Transformation durch Kunst? Warum nicht mithilfe der Architektur?

8. Die Kultur in der Gemeinde muss mit dem SIAC-Kontext in Zusammenhang gebracht werden. Eva Franch i Gilabert sagte, dass sie nicht mit Geschäftsmodellen in ihrem Architekturbüro arbeite, sondern mit einem Ideenmodell. Das spielt auf die Zukunft der SIAC an.

9. Der Unterschied von Wert und Kapital ist ein zentraler Punkt, der im Bereich der Kunst angesichts jüngster Umfelder nochmals überdacht werden muss.

10. Warum schenken wir dem Erbe der Vergangenheit Beachtung? Was für eine Rolle spielt Tradition? Was ist mit dem lebendigen Kulturerbe? Die Energie zur Gestaltung des Raums und die Energie der Erinnerung gehören zusammen.

11. SIAC sollte auch eine Stadt der Bildung für zukünftige Generationen sein.

12. Yongwoo Lee, der akademische Leiter des Forums, sagte in einem abschließenden Kommentar: „Wir bauen ein Haus, aber das Haus formt uns. Offensichtlich denken wir nicht darüber nach, dass die von uns geschaffene Stadt, den Rahmen für unsere Handlungen, Gewohnheiten und Werte bildet.“

Foto – https://mma.prnewswire.com/media/694193/SIAC_Roundtable.jpg

Quellenangaben

Textquelle:Shanghai Academy of Fine Arts, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/130763/3949897
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