Gegen lokales Gutdünken – Leitartikel zu Jugendämtern

Ravensburg (ots) – Sozialarbeiter haben einen harten Job. Sie entscheiden, ob Eltern ihre eigenen Kinder in Gefahr bringen. Reagieren sie zu früh, ist eine Familie vielleicht zerstört. Reagieren sie zu spät, sind im schlimmsten Fall Leben in Gefahr. Wer solche Entscheidungen treffen muss, braucht klare Richtlinien. Dabei geht es nicht darum, im Nachhinein Schuldige zu finden. Es geht darum, vor schwierigen Entscheidungen auf gute Argumente zurückgreifen zu können. Solche liefern fundierte Standards.

Nun mag jedes Jugendamt im Land für sich in Anspruch nehmen, solchen Standards zu folgen. Aber derzeit entscheidet einfach jede der 44 Behörden in Baden-Württemberg allein, was sie für richtig hält. So lange sie nicht gegen Gesetze verstößt, ist die Qualität ihrer Arbeit nicht zu beanstanden. Selbst für sensible Jobs im Kinderschutz gibt es keine einheitlichen Anforderungen, die Bewerber erfüllen müssen. Wer macht in Krisen was? Wer wird kontaktiert? Das können Ämter selber regeln.

Diese Lage schwächt die Jugendämter. Wie viel Personal sie haben, orientiert sich nach wie vor an der Kassenlage der Kommunen. Erst vor Kurzem hat die Deutsche Kinderhilfe dazu eine Studie vorgestellt. Mehr als die Hälfte der befragten Jugendamtsmitarbeiter fühlen sich demnach in ihrer Arbeit eingeschränkt, weil Geld fehle. Vielen fehlten Zimmer für Einzelgespräche mit Betroffenen oder Diensthandys, um in Notfällen erreichbar zu sein.

Was einer Kommune ihr Jugendamt wert ist, darf nicht von den lokalen Prioritäten abhängen. Gäbe es landesweite Standards, müssten sich die Kreise und Städte an diesen messen lassen. Einheitliche Vorgaben wären also eine Hilfe für die Mitarbeiter. Sie könnten sich darauf berufen, wenn ihre Chefs am falschen Ende sparen. Wirksam sind solche Regeln nur, wenn sie verordnet und überprüft werden können. Deswegen benötigt das Land mehr Macht über die regionalen Behörden.

Es wird immer Fälle geben, in denen trotz aller Professionalität falsche Entscheidungen getroffen werden. Das ist unvermeidbar. Dennoch muss alles Mögliche getan werden, um es zu versuchen.

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