Sprachlos Kommentar zum Gedenken an Solingen

Mainz (ots) – Wohlfeile Warnungen vor Extremismus und Hass, Mahnungen zu mehr Toleranz und Miteinander – zum 25. Jahrestag des Brandanschlags von Solingen sind viele richtige, aber nicht immer auch ganz ehrliche Sätze gefallen. Denn zum Gedenken gehört auch die realistische Einschätzung, dass sich das gesellschaftliche Klima, das eines der schlimmsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte mit begünstigte, seither verschlechtert hat. Der Hass geht heute viral, er zeigt sich immer öfter im Alltag – verbal und körperlich. Und auch im deutsch-türkischen Verhältnis gab es kein Zusammenrücken im Angesicht der Katastrophe, gibt es heute kein „mehr Miteinander“, sondern beidseitiges Unverständnis, Sprachlosigkeit, Frontenbildung. Ein Klima, in dem ein Fototermin zweier deutsch-türkischer Fußballprofis leicht zum Beweis einer gescheiterten Integration gerät. Man darf, wenn man Populismus und Hetze kritisieren will, aber nicht nur auf die AfD zeigen. Wie vor 25 Jahren sind es auch diesmal Vertreter der regierenden Parteien, die sich ein Radikalisierungsrennen liefern. Innenminister Seehofer etwa, der im Gedenken an Solingen ein „Zusammenstehen“ für „das friedliche und vielfältige Zusammenleben in unserer Gesellschaft“ fordert. Jener Innenminister, der mit seinem ebenso ausgrenzend gemeinten wie ausgrenzend verstandenen Satz „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ Millionen Muslimen solch ein „vielfältiges Zusammenleben“ verwehren will. Dagegen aufrichtig zu bewundern, damals wie heute, ist das weibliche Oberhaupt der Opferfamilie, Mevlüde Genc: Ihr Aufruf zu Versöhnung und Freundschaft ist ein beispielgebendes Zeichen menschlicher Größe. Unabhängig von Nationalität oder Religionszugehörigkeit.

Quellenangaben

Textquelle:Allgemeine Zeitung Mainz, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/65597/3956556
Newsroom:Allgemeine Zeitung Mainz
Pressekontakt:Allgemeine Zeitung Mainz
Wolfgang Bürkle
Newsmanager
Telefon: 06131/485980
online@vrm.de

Das könnte Sie auch interessieren:

Kopftuchverbot für Mädchen im Gespräch NRW setzt wichtige Debatte in Gang Carolin … Bielefeld (ots) - Das Kopftuch ist nicht nur ein Zeichen der Religionszugehörigkeit, sondern auch ein Symbol des politischen Islam, das für die Geschlechtertrennung und die Sexualisierung von Frauen steht. Ein Symbol, das besonders befremdlich wirkt, wenn es um Kinder geht, doch die Zahl der Mädchen mit Kopftuch in Kindergärten und Grundschulen steigt. Deshalb ist die angestrebte Diskussion in NRW über ein Kopftuchverbot für Mädchen wichtig. Der Vorstoß bringt eine Debatte in Gang, die klären muss, ob sich muslimische Mädchen ebenso frei wie muslimische Frauen frei für oder gegen ein Kopftuch ...
„Maischberger“ am Mittwoch, 11. April 2018, um 22:45 Uhr München (ots) - Das Thema: "Angst auf der Straße: Muss der Staat härter durchgreifen?""Die Aufgabe des Staates ist es, für Recht und Ordnung zu sorgen. Diese Handlungsfähigkeit war in den letzten Jahren oft nicht mehr ausreichend gegeben." Mit dieser These hat CDU-Minister Jens Spahn eine hitzige Debatte ausgelöst. Seine Kritiker warnen, dass mit solchen Aussagen Angst verbreitet werde, obwohl die tatsächliche Sicherheitslage besser werde. Doch wie sicher können wir uns wirklich noch im öffentlichen Raum fühlen, in der U-Bahn, auf großen Plätzen, beim Joggen im Park? Hat der Staat kapitulie...
DGB fordert Recht auf Teilzeit für alle Osnabrück (ots) - DGB fordert Recht auf Teilzeit für alle Buntenbach: Gesetzentwurf aber Schritt in die richtige RichtungOsnabrück. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert Nachbesserungen am neuen Gesetz zu Teil- und Vollzeitarbeit. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch): "Wir wollen, dass alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein gesetzliches Recht auf befristete Teilzeit mit Rückkehrrecht bekommen, ohne Ausnahmen und Quoten für kleine und mittlere Betriebe." Buntenbach kritisierte, die so genannte Zumutbarkeitsgrenze sei nicht sach...
Tags: