Schizophren Kommentar von Friedrich Roeingh zu Italien

Mainz (ots) – Der italienische Staatspräsident Mattarella hat hoch gepokert – und gewonnen. Sein Pokern hätte aber auch ganz anders ausgehen können. Man muss den in Berlin und Brüssel verhassten Führern der Fünf-Sterne-Bewegung und der Lega fast dankbar sein, dass sie nach der Ablehnung ihres antieuropäischen Kandidaten für das Amt des Finanzministers durch den Präsidenten besonnen reagiert und einen gemäßigteren Kandidaten nominiert haben. Die Alternative wären Neuwahlen gewesen, die mit noch mehr europäischen und deutschen Ressentiments über die Bühne gegangen wären. Das hätte die beiden Sieger der Wahl vom 4. März sicher nicht geschwächt. Und das hätte den Staatspräsidenten – als letzter Autorität des italienischen Establishments – vom Sockel stoßen können. Man kann es drehen und wenden wie man will: Die italienischen Wähler sehnen sich regelrecht nach einer Regierung der populistischen Fünf-Sterne und der rechtsnationalen Lega. Nun muss diese Regierung auch die Chance zum Scheitern bekommen. Dabei tun Deutschland, Brüssel und die EZB gut daran, der Regierung mit ihrem unbezahlbaren Programm der Wohltaten weder in die Speichen zu fallen, noch voreilig zur Stabilisierung des Landes zu intervenieren. Die italienischen Bürger, die diese Regierung gewählt haben, müssen nun ohne jede Provokation vor die Wahl gestellt werden, ob sie im Euroraum bleiben wollen oder nicht. 70 Prozent von ihnen wollen – Stand heute – die Lira nicht zurückhaben. Diese Schizophrenie können die Italiener nur selbst auflösen.

Quellenangaben

Textquelle:Allgemeine Zeitung Mainz, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/65597/3959346
Newsroom:Allgemeine Zeitung Mainz
Pressekontakt:Allgemeine Zeitung Mainz
Werner Wenzel
Leiter Newspool
Telefon: 06131/485980
online@vrm.de

Das könnte Sie auch interessieren:

Laschets unnötiges Eigentor Düsseldorf (ots) - Erst war es nur eine peinliche Posse. Aber weil die Landesregierung so ungeschickt mit dem Hacker-Fehlalarm ihrer ehemaligen Umweltministerin umging, trennt sie nun nur noch eine Handbreit von der Regierungskrise. Bei diesem Thema haben sich Laschet und seine zuständigen Regierungs-Kollegen schlichtweg verrannt. Es wäre ein verzeihlicher Fehler gewesen, wenn die Landesregierung ihren irrtümlich ausgerufenen Hacker-Alarm bei der nächstbesten Gelegenheit einfach mit einer Geste des Bedauerns korrigiert hätte. Einige hämische Kommentare wären die Folge gewesen - und das Ganze w...
Die Wahl des neuen SPD-Fraktionschefs Starkes Signal Lothar Schmalen, Düsseldorf Bielefeld (ots) - Es rumorte schon länger in der SPD-Landtagsfraktion. Nach dem überraschenden Debakel bei der NRW-Landtagswahl 2017 waren viele der Abgeordneten der Überzeugung, dass die Abwahl der rot-grünen Landesregierung vor allen durch Fehler der eigenen Partei- und Fraktionsführung verursacht war. Dass sich der alte Fraktionschef Norbert Römer dennoch wieder zur Wahl stellte, konnten viele Mitglieder der dramatisch geschrumpften Landtagsfraktion schon im Mai 2017 nicht mehr nachvollziehen. Das schlechte Wahlergebnis Römers war deshalb ein erstes Alarmsignal. Wenig später war die Fraktio...
EU-Parlamentarier Brok sieht düstere Szenarien für Italien Berlin/Saarbrücken (ots) - Der EU-Parlamentarier Elmar Brok (CDU) rechnet mit düsteren Szenarien, sollten die Wirtschaftspläne der künftigen Regierungspartner in Italien verwirklicht werden. "Die Zeichen stehen auf Sturm", sagte Brok der "Saarbrücker Zeitung" (Dienstag-Ausgabe). Italien habe im Falle eines solch abrupten Kurswechsels keinen Anspruch auf europäische Solidarität, meinte Brok "Deshalb wird die Wirtschaft dort einbrechen. Die italienischen Banken werden einbrechen. Viele Italiener werden dann versuchen, ihre Ersparnisse ins Ausland zu bringen, um sie vor dem Chaos zu retten", s...
Tags: