Wer hilft uns aus dem Stau?

Regensburg (ots) – Kleine Szene mit großer Symbolkraft: ein ganz normaler Werktag-Vormittag in Regensburg. Mini-Auffahrunfall auf der Autobahn A3. Die Folgen kennt jeder Regensburger und jeder Pendler: Nichts geht mehr in der Region. Der Verkehr steht. Auf allen Autobahnen, den Zubringern, auf den Umgehungsstraßen, auf den Bundesstraßen. In diesem ganz normalen Wahnsinn ruft uns ein Leser an: „Ich versuche jetzt seit zwei Stunden aus Laaber nach Regensburg zu kommen und stehe gerade in Höhe Winzer auf der B8“, sagt uns der Leser. Und dann: „Rechts von mir auf der Donau ist ein Lastkahn. Der überholt mich gerade.“ Diese kleine Szene macht deutlich, wie groß das Politikversagen in unserer Region in Sachen Verkehrsfragen ist. Seit mindestens zehn Jahren wird vornehmlich geredet – und vor allem wird zerredet. Nicht ein Landrat, nicht ein Bürgermeister, auch nicht eine Landrätin, nicht eine Bürgermeisterin nahm oder nimmt das Heft in die Hand und stellt sich auf die Seite der staugeplagten Menschen unserer Region. Das Politikversagen reicht weit zurück. Nur ein paar Beispiele: Westtrasse für den ÖPNV? Geht halt nicht. Weitere Donauquerungen, Stichwort Kneitinger Brücke: Da könnte es Widerspruch geben. Schlüssiges Konzept für den öffentlichen Nahverkehr? Das dauert noch. Wirklich weiträumige Umfahrung der Stadt? Noch keinen Gedanken daran verschwendet. Die Liste der Mängel ist lang. Klar ist: Wer sich ernsthaft und nachhaltig um die Verkehrsprobleme in der Region kümmern will, der braucht einen langen Atem. Der muss mühsam Verfahren in die Wege leiten, die ihm oft keinen Applaus, dafür aber viel Widerspruch einbringen. Und wenn dann wider Erwarten ein Verkehrsprojekt durchgeboxt wurde, ist unser Politiker vielleicht gar nicht mehr im Amt und sein Nachfolger erntet die Lorbeeren. Da verzichten Politiker doch lieber gleich darauf, die ganz dicken Bretter zu bohren, besuchen lieber Firmen oder wohnen Gebäudeeinweihungen bei. Doch nicht nur in der Vergangenheit, auch jetzt noch werden gravierende Fehler gemacht. Wie kann es sein, dass just zum Beginn des Autobahnausbaus in der Stadt so wie in den Jahren zuvor überall Baustellen aufploppen? Ist denn der Ausbau der A3 nicht bereits Ausnahmesituation genug? Musst die Stadt die Situation unbedingt noch zusätzlich verschärfen? Koordination sieht jedenfalls anders aus. Hier wären vielmehr langfristig angelegtes Handeln und intensive Absprachen mit der Autobahndirektion notwendig gewesen. Von langfristigen Konzepten einmal ganz zu schweigen. In zehn Jahren wird es dann zu Recht heißen: Vor zehn Jahren hat die Politik versagt. Alle Verantwortlichen, Politiker aus Stadt und Land, Experten, Bundestagsabgeordnete, Landtagsabgeordnete müssen jetzt ganz schnell an einen Tisch. Es müssen zumindest kurzfristig Überlegungen her, um den Schaden, der zweifelsohne schon eingetreten ist und weiter eintreten wird, zu minimieren. Sollen sich doch Stadtrat und Kreistag mit Verkehrsexperten zu einer gemeinsamen Sitzung treffen und die Köpfe zusammenstecken. Und wenn auch dabei nichts Vernünftiges dabei rauskommt, dann müssen halt externe Experten her, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Damit wir in zehn Jahren wieder schneller unterwegs sind als Lastkähne.

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