Ein Deutscher Kommentar von Reinhard Breidenbach zum Anschlag von Münster

Mainz (ots) – Ja, es war offenbar ein Deutscher. Gefährlichen Rechtsextremisten wie der unsäglichen AfD-Aktivistin von Storch scheint es fast leid zu tun, dass der Attentäter von Münster kein Islamist war. Was für eine perverse Denkweise. Genau so irrwitzig wäre es andererseits, wollte jemand argumentieren: Schaut her, die Deutschen, schimpfen auf die armen Flüchtlinge, die angeblich Dschihadisten sind, und laufen selbst Amok. Es herrscht emotionaler Unfrieden in Deutschland. Zündler verursachen Flächenbrände, gebraucht werden deshalb Menschen, die beruhigen, ohne zu beschwichtigen, ohne Dinge unter den Teppich zu kehren. Solche Menschen dürfen gerne aus der Politik kommen, von den Kirchen, sozialen Institutionen, aber generell kann das jeder sein, der sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt. Ein paar einfache Fakten im Auge zu behalten, ist hilfreich. Ja, es gab und gibt islamistischen Terror, etwa 2016 auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. Aber Flüchtlinge dürfen nicht unter Generalverdacht stehen. Ja, es gibt Amoktaten, die keinen terroristischen, keinen politischen Hintergrund haben, begangen von Deutschen, Amerikanern, Arabern, Juden, die psychisch krank oder einfach nur abgrundtief böse und von Vernichtungswillen getrieben sind. Aber es wäre fatal, diese letztere, nicht-terroristische Kategorie als „nicht ganz so schlimm“ einzuordnen. Die Neigung dazu scheint zu existieren. Sie könnte sich in Gedanken manifestieren wie: „Gott sei Dank, kein Terroranschlag, nur ein normaler Amoklauf.“ Auch bei „normalen Amokläufen“ stellt sich die Frage, ob und wie Vorbeugung möglich und, falls doch etwas geschieht, Hilfe effizient ist. Unerlässlich: Sicherheitskräfte müssen bekommen, was sie für ihre Arbeit brauchen: Personal, Ausstattung, Gesetze. Der Rechtsstaat muss mit Augenmaß, aber auch mit Entschiedenheit verteidigt werden. Aufgeklärt und unterbunden werden muss allerdings auch Behörden-Versagen, wie es beim Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt zutage trat. Mindestens genau so wichtig ist es, ein gesamtgesellschaftliches Klima zu erzeugen, in dem Gewalt geächtet ist. Die Hemmschwelle zur Gewaltanwendung ist in erschütternder Weise gesunken, ganz allgemein und sogar gegenüber Menschen, die helfen wollen, Rettungssanitätern, Feuerwehrleuten und Polizisten. Unfassbar, das darf nie und nimmer hingenommen werden, hier sind harte Reaktionen unerlässlich. Um vorbeugend einem Gewalttabu zum Sieg zu verhelfen, sind vor allem Elternhäuser und Schulen gefragt. Die verdienen jede Hilfe, erklären sich aber immer häufiger für überfordert. Wo soll das enden?

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Textquelle:Allgemeine Zeitung Mainz, übermittelt durch news aktuell
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