Kölnische Rundschau: Kommentar zur Lage in Syrien

Köln (ots) – Säbelrasseln

Sandro Schmidt zur Lage in Syrien

Ein wohl neuerlicher, verwerflicher Einsatz von Giftgas durch das syrische Regime, massive amerikanische und französische Drohungen, sie würden dieses zur Rechenschaft ziehen, unverblümte russische Hinweise an den Westen auf seine Bündnisverpflichtungen gegenüber Damaskus, schließlich ein – wahrscheinlich israelischer – Luftangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt, bei dem auch iranische Soldaten ums Leben kommen: Der zum Stellvertreterkrieg der Regional- sowie der Großmächte mutierte Bürgerkrieg in Syrien entwickelt sich in eine explosive Richtung. Droht hier eine direkte militärische Auseinandersetzung zwischen dem Westen und Russland?

Ganz auszuschließen ist dies angesichts des unberechenbaren außenpolitischen Kurses von US-Präsident Donald Trump nicht, weil dieser ständig sich widersprechende Signale aussendet (erst redet er vom US-Abzug aus Syrien, wenige Tage später will er das Assad-Regime bestrafen). Interesse an weiterer Eskalation dürften aber weder Washington noch Moskau haben. Deshalb sind die scharfen Töne vor allem eines: Säbelrasseln.

Der Westen (einschließlich Berlins) signalisiert, dass er dem Diktator nicht jede Völkerrechtsverletzung durchgehen lassen will, Moskau, dass es Assad um jeden Preis stützt, und Jerusalem, dass es keinesfalls eine Ausdehnung iranischen Einflusses in Syrien toleriert.

Der letzte Punkt ist der gefährlichste. Israels Existenz wird von Teheran latent bedroht, wird die Drohung konkret, explodiert das Pulverfass.

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