Zäsur Kommentar von Carsten Steevens zur angekündigten neuen Führungsstruktur bei Volkswagen

Frankfurt (ots) – Volkswagen steht vor einem Wechsel an der Konzernspitze, aber es kündigt sich noch mehr an. Der gestrigen Mitteilung, dass eine Weiterentwicklung der Führungsstruktur für den Konzern folgen werde, die mit personellen Veränderungen im Vorstand und mit Änderungen bei den Ressortzuständigkeiten im Vorstand verbunden wäre, dürfte in Kürze auch ein Konzept folgen, mit welcher Struktur und Organisation der weltgrößte Fahrzeugbauer den anstehenden Wandel in das Zeitalter der alternativen Antriebe, des autonomen Fahrens und der neuen Mobilitätsdienstleistungen zu bewältigen gedenkt.

Gut 30 Monate nach dem Bekanntwerden des Dieselabgasskandals, der den Konzern erschüttert hat wie keine Krise zuvor, stehen die Wolfsburger vor einer weiteren Zäsur. Nach der Stabilisierung eines im Herbst 2015 zutiefst verunsicherten Autobauers, der sich am Rande seiner Existenz wähnte und der sich nach wie vor mit Krisenbewältigung befassen muss, stehen Entscheidungen an, wie der schwer regierbare Moloch aus Wolfsburg mit seinen mehr als 600.000 Beschäftigten und 120 Produktionsstätten künftig effektiver gesteuert werden kann. Volkswagen will Antworten auf die Frage geben, wie das Zusammenspiel von Konzern und Marken in der für die weitere Branchenentwicklung entscheidenden nächsten Dekade am besten funktionieren kann.

Parallel zur Aufarbeitung der Dieselkrise hat der Autobauer an der Neustrukturierung und der Effizienzüberprüfung seiner Prozesse gearbeitet. Nun steht das Ergebnis an. Volkswagen folgt einem Trend, der am Kapitalmarkt offenbar Erfolg verspricht. In der Autoindustrie hat Daimler die Umwandlung in eine Holding eingeleitet, um schneller auf den Wandel in der Branche reagieren zu können. Auch der Zulieferer Continental erwägt aus diesem Grund einen organisatorischen Umbau.

Der anstehende Beschluss des Aufsichtsrats, Herbert Diess, seit Juli 2015 an der Spitze der Kernmarke Volkswagen, zum Nachfolger von Matthias Müller als Konzernchef zu berufen, ist da eine Seite derselben Medaille. Der frühere BMW-Vorstand hat bewiesen, dass er bei VW mit den Einflussnahmen der Arbeitnehmerseite und der Politik umzugehen versteht. Den Weg der lange kriselnden VW-Marke zu mehr Effizienz hat er eingeleitet und sich damit Respekt verschafft. Als Konzernchef wird er sich auch darum kümmern müssen, sich wirksamer und geschickter als sein Vorgänger um die Aufklärung des Abgasskandals zu bemühen. Der Stabwechsel zu Diess, fünf Jahre jünger als Müller, der bald 65 wird, erscheint schlüssig.

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