Mission Accomplished

Frankfurt (ots) – Die Tweets von US-Präsident Donald Trump haben in der vergangenen Woche die Kurse maßgeblich bewegt, mal runter, mal rauf – auch am Ölmarkt. Die Erwartung eines Militäreinsatzes der USA und anderer westlicher Staaten in Syrien und womöglich unabsehbaren Folgen auf die Stabilität der Golfregion und der Energieversorgung haben zu steigenden Ölnotierungen geführt. Inzwischen hat der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent mit über 72 Dollar den höchsten Preis seit fast dreieinhalb Jahren erreicht, ebenso der Preis für die US-Sorte WTI. Marktbeobachter schließen für den Fall einer kriegerischen Eskalation auch Notierungen über 100 Dollar nicht aus – Kurse, die vor einem halben Jahr noch undenkbar erschienen wären.

Mit ein Grund für die steigenden Preise ist auch der Abbau der Überproduktion im Markt – dies trotz der Tatsache, dass die US-Schieferölproduktion eben erst einen neuen Rekordwert von 10,5 Mill. Barrel pro Tag (bpd) erreicht hat. Die Vereinigten Staaten sind damit nach Russland und noch vor Saudi-Arabien die größten Rohölproduzenten. Zugleich steigt die Nachfrage und liegt über dem Angebot – was für den Markt zwischen 2015 und 2017 nicht der Fall gewesen war.

Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) ist die Produktion des Ölkartells Opec zuletzt auf beinahe den tiefsten Stand seit drei Jahren gesunken. Dies liegt auch daran, dass Venezuela – wegen „chronischen Missmanagements“, so die IEA – und Saudi-Arabien weniger als erwartet produziert hat. Laut IEA wurden die Ende 2016 vereinbarten Produktionsbegrenzungen von den Opec-Mitglieder übererfüllt, während die am Abkommen teilnehmenden Nicht-Opec-Länder auf 90% kamen. Noch wichtiger ist, dass die Vorräte der Industriestaatengruppe OECD im Februar mit 2,84 Mrd. Barrel nur noch um 30 Mill. Barrel über dem Fünfjahresdurchschnitt lagen.

Durch die Produktionseinfrierung will die Opec eine Rückkehr der Vorräte auf ein „normales“ Niveau erreichen. Darunter wird im Allgemeinen besagtes Fünfjahresmittel der OECD-Vorräte verstanden, so dass sich das Ölkartell nach der reinen Lesart bald gezwungen sehen müsste, den Ausstieg aus den Produktionskürzungen anzukündigen. Die IEA erwartet, dass das Fünfjahresmittel in den nächsten ein bis zwei Monaten erreicht und unterschritten werden dürfte, so dass für die Produktionsbegrenzungen, die noch bis Ende 2018 gelten soll, „Mission accomplished“ gelte.

Es gebe aber bisher keine Anzeichen, dass die Opec-Mitglieder angesichts steigender Preise oder der Krise in Venezuela die Produktion steigern würden. Saudi-Arabien hält die Produktion kurz, der Golfstaat liefert weniger in Richtung USA, dafür aber mehr nach Asien. Ob der Börsengang des staatlichen Ölriesen Saudi Aramco nun wirklich dieses Jahr kommt, wird sich noch weisen müssen. Das Umfeld ist angesichts politischer Risiken nicht gut.

Mit der Einführung einer gestaffelten, preisabhängigen Besteuerung der Öleinnahmen von Saudi Aramco hat der saudische Staat eine clevere Art der Einkommenssicherung erreicht, die aber die Attraktivität des Konzerns für Investoren klar senkt. Eine Steuer von 50% auf Einnahmen ab einem Ölpreis von 100 Dollar mag für Investoren prohibitiv wirken, ist aber auch ein Zeichen, dass das Land vielleicht gar nicht unbedingt darauf angewiesen ist, den Börsengang durchziehen will. Marktkenner verweisen darauf, dass das Königreich seinerzeit bei der Verstaatlichung rund 1,5 Mrd. Dollar an die Vorgängergesellschaften von ExxonMobil und Chevron bezahlt hatte. Kein schlechter Deal für ein Unternehmen, das im ersten Halbjahr 2017 immerhin 33,8 Mrd. Dollar Nettogewinn ausgewiesen hat.

„Mission accomplished“: das erinnert an den Ausspruch des damaligen US-Präsidenten George Bush jr. nach dem Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein. Nichts war vollbracht. Statt einem Ende der kriegerischen Handlungen und Stabilität in der Region ist es zum Gegenteil davon gekommen. Diesmal dürfte der Fall anders gelagert sein. Auch wenn die Macht der Opec schon totgesagt wurde – das Kartell hat es trotz der steigenden US-Produktion geschafft, den Markt fast ins Gleichgewicht zu bringen. Es muss sich zeigen, ob sich daraus ein wiedererstarktes Selbstvertrauen auch politisch oder gar militärisch in einer härteren Haltung einiger Mitgliedstaaten spiegelt. So liegt es auf der Hand, dass die Spannungen um Syrien einen bereits angespannten Ölmarkt zusätzlich belasten würden.

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