Das Verhältnis kühlt weiter aus – ein Kommentar von JAN JESSEN

Essen (ots) – Wer gedacht hatte, schon wegen der in Russland ausgetragenen Fußball-Weltmeisterschaft, die in wenigen Wochen beginnt, könne ein Hauch von Frühling in die Beziehungen zwischen dem Westen und Moskau einziehen, der hat sich getäuscht. Die konzertierte Ausweisung von russischen Diplomaten lässt das Verhältnis noch deutlich weiter auskühlen. Der in Teilen von Nato und EU abgestimmte Schritt hatte sich bereits vor dem Wochenende abgezeichnet, als sich der Europäische Rat in der Affäre um den mutmaßlich vergifteten Doppelagenten Sergej Skripal unmissverständlich an die Seite Großbritanniens stellte. London macht Moskau für den Anschlag verantwortlich. Das Problem: Dafür gibt es keine Beweise, jedenfalls keine, die öffentlich vorgelegt wurden. Dabei ist der Vorwurf an Ungeheuerlichkeit kaum zu überbieten. Russland soll einen Giftgasangriff in Europa durchgeführt haben. Derzeit ermitteln Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), was genau am 4. März im südenglischen Salisbury geschah – es wäre klug gewesen, mit den Maßnahmen gegen Moskau bis nach Ostern zu warten, dann sollen die Ermittlungsergebnisse vorliegen. Mit der Ausweisung der russischen Diplomaten sendet Berlin auch ein Signal nach innen: In jüngster Zeit warben immer mehr Politiker aus unterschiedlichen Parteien für ein Ende der Sanktionen gegen Moskau und für eine Wiederannäherung an Russland. Das wird nun in absehbarer Zeit nicht geschehen.

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