Bertelsmann und der Echo-Skandal Ablasshandel Carsten Heil

Bielefeld (ots) – Liz Mohn ist eine anerkannte Israelfreundin. Sie setzt sich sehr für das deutsch-jüdische Verhältnis ein, verurteilt Antisemitismus, wo und wann es nur geht. Die starke Frau bei Bertelsmann besitzt die Ehrendoktorwürde der Universität Tel Aviv. Die Bertelsmann-Stiftung hat zahlreiche hervorragende Projekt diesbezüglich aufgelegt. Und jetzt das. Der Bertelsmann-Konzern reagiert völlig unzulänglich auf den Antisemitismus-Eklat bei der Musikpreisverleihung „Echo“. Er verliert dabei seine Glaubwürdigkeit. Die Zentrale in Gütersloh lässt ihre Tochter, das Musikunternehmen BMG, zur Debatte um die Rapper Kollegah und Farid Bang einen Kurs fahren, der mit „widerlich“ nur unzureichend beschrieben ist. Erst sehr spät und nach viel Druck lässt BMG die Zusammenarbeit ruhen. Die beiden Rapper hatten sich in einem Song zu einer Textzeile voller Judenhass verstiegen: „Mache wieder mal nen Holocaust – komm an mit dem Molotow.“ Trotz dieser Entgleisung haben die Sänger, bei der Bertelsmann-Tochter BMG unter Vertrag, den Musikpreis „Echo“ bekommen. Die Preisverleihung wurde übrigens vom Fernsehsender Vox übertragen. Über RTL gehört Vox ebenfalls zu Bertelsmann. Die Plattenfirma BMG stellte sich lange hinter ihre Künstler. Das Musikunternehmen räumte zwar ein, dass sich Menschen durch die Zeilen verletzt fühlten. Aber andere Menschen seien nicht so sehr verletzt worden, sodass das Album eines der meistverkauften in 2017 war. Man darf also antijüdische und zu Gewalt aufrufende Texte dichten, wenn nur die Verkaufszahlen stimmen? Das kann nicht sein. Dabei geht es gar nicht nur darum, ob Menschen sich durch die Textpassage verletzt fühlen. Es geht auch darum, dass Stars wie Kollegah und Farid Bang Vorbild für ihre Fans sind. Wenn die Rapper zu Gewalt aufrufen, könnten sich einige animiert fühlen, dem Aufruf zu folgen. Dafür ist Bertelsmann dann mitverantwortlich. Damit nicht genug. BMG erklärte gestern: „BMG initiiert Kampagne gegen Antisemitismus. Das Projekt soll mit 100.000 Euro angeschoben werden.“ Will sich Bertelsmann freikaufen von der Verantwortung für seine Künstler? Das ist Ablasshandel. Damit macht das Unternehmen eine verhältnismäßig geringe Summer locker, um das Antisemitismus-Übel zu bekämpfen, das die eigenen Musiker erst mit befeuert haben und woran man zuvor verdient hat. So kann es bei Bertelsmann in dieser Frage nicht weitergehen. Die Rapper gehören rausgeworfen und im BMG-Vorstand aufgeräumt. Frau Mohn, übernehmen Sie!

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