Kompromiss mit Tücken – Kommentar von Alexander Dinger

Berlin (ots) – Die protestierenden Feuerwehrleute können stolz auf sich sein. Sie haben die Politik an den Verhandlungstisch gezwungen und in relativ kurzer Verhandlungszeit viele Erfolge erzielt. Liefern müssen nun aber beide Seiten.

Ebenso wie bei der Polizei hat sich auch bei der Feuerwehr in der Hauptstadt über Jahre ein tief sitzender Frust angestaut. Frust über schlechte Bezahlung, Überstunden und eine veraltete Ausstattung. Setzt die Politik all ihre Ankündigungen in die Tat um, und danach sieht es im Moment aus, sind die „Sparen, bis es quietscht“-Jahre vorbei.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat im Vergleich zu seinem Amtsvorgänger Frank Henkel (CDU) einen Vorteil: eine volle Kasse. Die Politik ist gut beraten, das zarte Pflänzchen der Hoffnung bei Polizei und Feuerwehr zu hegen und zu pflegen. Vielleicht wird daraus wieder ein starker Baum mit tiefen Wurzeln des Vertrauens.

Auf der anderen Seite stehen verbeamtete Feuerwehrleute, die trotz aller berechtigten Kritik nicht vergessen sollten, dass es andere systemrelevante Berufe von Pflegern über Krankenschwestern bis zu den Scharen von Handwerkern gibt, die ebenfalls bei Wind und Wetter und an Wochenenden arbeiten, Überstunden vor sich herschieben, aber von den Sicherheiten eines Beamten nur träumen können.

Das alles lässt ich an einer Zahl festmachen: Im Schnitt war jeder verbeamtete Feuerwehrmann im vergangenen Jahr 48 Tage krank. Werte, die in der freien Wirtschaft unvorstellbar sind. Dort liegt der Wert bei 18 Tagen.

Die Forderung der Politik, dass mit der nun vereinbarten Reduzierung der Wochenarbeitszeit auch die Krankenquote sinken muss, ist also berechtigt. Denn: Gelingt die nennenswerte Reduzierung des Krankenstandes nicht, frisst das Zugeständnis bei der Wochenarbeitszeit das Plus an neuen Stellen. Der gute Kompromiss würde dann ziemlich schnell schal.

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