Großrazzia gegen Schleusernetzwerk

Hamburg (ots) – Bande soll Hunderte Moldauer nach Deutschland geschleust und dort bei Sicherheitsdiensten illegal beschäftigt haben. Die Spuren führen ins Reichsbürgermilieu.

Mit 800 Beamten hat die Bundespolizei am Montagabend und am frühen Dienstagmorgen an mehr als einem dutzend Orten in Nord- und Mitteldeutschland Wohnungen und Büros durchsucht. Es geht um einen schwerwiegenden Verdacht: Bisher acht Beschuldigte sollen mehrere hundert moldauische Staatsbürger mit gefälschten rumänischen Pässen nach Deutschland geschleust und sie dort im Sicherheitsgewerbe illegal beschäftigt haben. Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung wurden drei Beschuldigte vorläufig festgenommen. Es handelt sich um zwei Deutsche und einen russischen Staatsangehörigen. Sie stehen unter Verdacht, bandenmäßig im großen Stil Personen geschleust, illegal beschäftig und für sie Dokumente gefälscht zu haben. Besonders interessant: Es finden sich Bezüge in die sogenannte Reichsbürgerszene in Sachsen-Anhalt. In ein Milieu, das nicht nur den Staat ablehnt, sondern das zunehmend eigene Strukturen aufbaut.

Seit vergangenem Sommer ermittelten Bundespolizei und Zoll gemeinsam gegen besagtes Netzwerk, zu dem auch eine aus Österreich stammende Familie M. gehören soll. Diese betreibt eine Sicherheitsfirma, in der die geschleusten Moldauer beschäftigt waren und die sie an verschiedene Auftraggeber verlieh. So arbeiteten die angeblichen Rumänen im Hamburger Hafen, als Wachschutz auf verschiedenen Baustellen und sogar in Asylbewerberheimen. Seit vergangenem Oktober führte die Staatsanwaltschaft Lüneburg ein Ermittlungsverfahren gegen das Schleusernetzwerk. Der koordinierte Einsatz begann am Montag gegen 18.30 Uhr. Die Unterkünfte der geschleusten Moldauer wurden am Dienstagmorgen durchsucht, bevor diese zu ihren Arbeitsstellen aufbrachen. Die illegal eingereisten Migranten wurden von der Polizei befragt, um ihre Identitäten herauszufinden und zu registrieren. Die Polizisten, darunter auch verschiedene Spezialeinheiten, durchsuchten Räumlichkeiten im Großraum Hamburg, in Bremen sowie in Sachsen-Anhalt.

Besonders von den Durchsuchungen in Arendssee in Sachsen-Anhalt erhoffen sich die Ermittler neue Erkenntnisse. Denn dort wohnt und arbeitet die Buchhalterin der Sicherheitsfirma, in der die geschleusten Migranten arbeiteten. Ihr Ex-Ehemann und Sohn betreiben die Firma. Ob die Buchhalterin oder die Firmenchefs von den Schleusungen wussten oder gar daran beteiligt waren, sollen die Ermittlungen zeigen.

Die Buchhalterin ist zugleich Gemeindevorsteherin der selbsternannten „Samtgemeinde Alte Marck“ – einer Gemeinschaft, die im Altmarkkreis Salzwedel und im Landkreis Stendal residiert und nicht nur die Bundesrepublik Deutschland als „Scheinstaat“ ablehnt, sondern auch, selbst für die Reichsbürgerszene in dieser Intensität außergewöhnlich, eine parallele kommunale Verwaltungs- und Wirtschaftsstruktur aufgebaut hat. Die Spezialkräfte durchsuchten ihre Wohnung und ihr Büro, das zugleich der Reichsbürgergemeinde als Versammlungsort dient. Es ist eine Art Bürgermeisteramt, in dem die Frau auch Reichsbürgerehen schließt, Schein-Geburtsurkunden und Gewerbescheine ausstellt – alles gegen Gebühr. Die „Samtgemeinde Alte Marck“ taucht auch im Verfassungsschutzbericht Sachsen-Anhalts auf. Sie gilt als extremistisch, weil sie die Bundesrepublik Deutschland als Staat ablehnt, aber nicht als rechtsextrem. Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung gehören ihr etwa 30 Mitglieder an. Zwar distanziert sich die Gemeinde offiziell davon, an das Fortbestehen des Reiches zu glauben und nennt sich „Selbstversorger“. Mitglieder tummeln sich jedoch in der Reichsbürgerszene, zu der in Deutschland nach derzeitigen Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutzes insgesamt etwa 18.000 Personen zählen sollen.

Die Ermittler prüfen nun auch, ob Erträge aus dem Schleusernetzwerk nur der Buchhalterin und ihrer Verwandtschaft selbst oder der Reichsbürgergemeinde zugeflossen sind. Sollte dies der Fall sein, wäre dies eine neue Qualität der Organisation im Reichsbürgermilieu.

Nach Informationen von NDR, WDR und SZ lebt die Frau inzwischen mit einem ehemaligen SEK-Beamten zusammen, der seinerseits wegen des Verdachts der Zugehörigkeit zur Reichsbürgerszene suspendiert ist. Der Mann darf Waffen besitzen.

Quellenangaben

Textquelle:NDR Norddeutscher Rundfunk, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/6561/3937648
Newsroom:NDR Norddeutscher Rundfunk
Pressekontakt:Für Rückfragen
Christine Adelhardt
Norddeutscher Rundfunk
040-4156 6151
0171-5445547

Das könnte Sie auch interessieren:

„Flucht durchs Höllental“: ZDF dreht Thriller mit Hans Sigl Mainz (ots) - Seit Mitte April entsteht in München und Tirol der Thriller mit dem Arbeitstitel "Flucht durchs Höllental". Hans Sigl spielt in der Hauptrolle einen Münchner Strafverteidiger, der nach der Entführung seiner Tochter selbst zum Gejagten wird. Regie führt Marcus O. Rosenmüller, von ihm stammt auch das Drehbuch nach einer Vorlage von Wolf Jakoby. In weiteren Rollen stehen Christian Redl, Karen Böhne, Marleen Lohse, Max von Pufendorf, Johanna Gastdorf und andere vor der Kamera. Klaus Burg will mit seiner Tochter Alina (Leonie Wesselow) ein entspanntes Wochenende in den Bergen verbring...
„Fit in den Frühling“: „ZDFzeit“ mit großem Bewegungs-Check Mainz (ots) - Fit werden in nur acht Wochen? "ZDFzeit" macht am Dienstag, 10. April 2018, 20.15 Uhr, den großen Bewegungs-Check mit vier Kandidaten zwischen 22 und 62 Jahren. Und klärt dabei Fragen wie: Welche Sportart passt zu wem? Was taugen Trackingbänder und andere Fitnessprodukte? Und was macht eher fit - Laufen, Radfahren, Yoga oder Gerätetraining? "ZDFzeit" macht den großen Bewegungs-Check mit vier ganz unterschiedlichen Kandidaten. Sandra (47) will mehr Ausdauer haben und dabei gern ein paar Kilos verlieren. Auf dem Rad kämpft sich die Schauspielerin und Entertainerin ihrem Ziel entgeg...
Mündliche Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts in Sachen „Rundfunkbeitrag“ Düsseldorf (ots) - Das Bundesverfassungsgericht hat am 6. April 2018 in einer Pressemitteilung (abrufbar unter https://bit.ly/kbl-bv1) bekannt gegeben, dass der erste Senat am Mittwoch, den 16. Mai 2018, sowie am Donnerstag, den 17. Mai 2018, über drei Verfassungsbeschwerden gegen die Erhebung des Rundfunkbeitrags im privaten Bereich und über eine Verfassungsbeschwerde gegen die Erhebung des Rundfunkbeitrags für Betriebsstätten verhandeln wird. Unter den drei zu verhandelnden Verfassungsbeschwerden gegen die Erhebung des Rundfunkbeitrags im privaten Bereich befinden sich zwei von der Koblenzer...