Schon im WM-Fieber?

Frankfurt (ots) – Haben wir etwas übersehen? Das Dividendenversprechen der Commerzbank für 2018 ist alt, der Ausblick unverändert. Dass das Geschäft mit Anlage- und Finanzprodukten samt Marketmaking als wesentlicher Teil des ehemaligen Bereichs Equity Markets & Commodities (EMC) im Schaufenster steht und es Interessenten dafür gibt, unterlag schon lange nicht mehr dem Bankgeheimnis. Die Andeutung von Finanzvorstand Stephan Engels, wonach eher Portfolien statt einer kompletten Rechtseinheit verkauft werden dürften, stellt aus Sicht der Gelben das ungünstigere Szenario dar.

Die Ertragsentwicklung ist nur so lala, namentlich im Firmenkundensegment muss sie enttäuschen, zumal angesichts rund 1 000 hinzugewonnener Kunden. Bei der BayernLB, die ebenfalls am Dienstag über den Jahresauftakt berichtete, lief zum Beispiel das Geschäft mit Kapitalmarktprodukten für Firmenkunden gut; die Commerzbank klagt hier über verhaltene Nachfrage. Und die Aufwandsquote liegt insgesamt bei unerquicklichen gut 84 %. Ist das der Stoff, aus dem die Träume von Aktionären und Analysten sind? Oder ist der Markt schon im WM-Fieber, nachdem Jogi Löw seinen vorläufigen Kader nominiert und die Commerzbank ihre neue Kampagne mit dem Deutschen Fußball-Bund gestartet hat?

Was sonst könnte die Investoren so gnädig gestimmt haben, die Aktie des angehenden Technologieunternehmens Commerzbank am Tag des Zwischenberichts einen Sprung von fast 4 % aufs Börsenparkett legen zu lassen? Einmaleffekte aus einer Steuerprüfung, die den Obolus an den Fiskus gegen null tendieren lassen, sowie aus der Veräußerung von Aktivitäten und einer Beteiligung können doch nicht derart Eindruck gemacht haben. Oder hat das Publikum sein Anspruchsniveau spürbar gesenkt? Die Eigentümer der Bank an ihrer Seite hatten sich ja dieser Tage schon auf der Hauptversammlung geradezu handzahm gezeigt.

Vielleicht resultiert die Milde aus der Erkenntnis „schlimmer geht immer“. Dann könnte – das ist gar nicht mal zynisch gemeint – der Kontrast zu den blauen Nachbarn zu einer solchen Kursavance wenigstens beigetragen haben. Die Commerzbank hat ja eine Strategie. Ihre Pläne hält sie cum grano salis ein, ihre Wachstumsambitionen untermauert sie sogar noch. Die neue Erfolgskennziffer „Kreditvolumen Firmenkunden“, die bis Ende 2020 eine Steigerung um 8 Mrd. auf mehr als 85 Mrd. Euro vorgibt, zeugt jedenfalls von Offensivgeist. Nicht zuletzt in diesem Geschäft tobt ein unerbittlicher Konditionenkampf.

Quellenangaben

Textquelle:Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/30377/3944588
Newsroom:Börsen-Zeitung
Pressekontakt:Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren:

vbw mahnt Zukunftssicherung des Automobilstandortes Deutschland an – Gaffal fordert … München (ots) - Die vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. wendet sich entschieden gegen die anhaltende Kampagne gegen den Diesel. Sie sieht darin eine Gefährdung des Automobilstandortes Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes gibt es allein in Bayern in der Branche "Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen" rund 230 Betriebe mit über 200.000 Beschäftigten. Weitere 200.000 Arbeitsplätze hängen im Freistaat von der Automobilindustrie ab: In Handel und Dienstleistung sowie bei Unternehmen anderer Branchen, die der Fahrzeugindustrie zuliefern, wie zum Beispiel d...
Größte Wahrscheinlichkeit für Konflikt zwischen Großmächten seit Ende des Kalten Krieges Hamburg (ots) - Die Wahrscheinlichkeit für einen Konflikt zwischen den Großmächten ist auf dem höchsten Stand seit dem Ende des Kalten Krieges. Zu diesem Ergebnis kommt der Versicherungsmakler Aon Risk Solutions, der heute aktuelle Weltkarten über politische Risiken, politische Gewalt und Terrorgefahren veröffentlichte (www.aon.de/risk-maps). "Geopolitische Spannungen und schwache internationale Diplomatie haben zu einem erhöhten Risiko bewaffneter Konflikte beigetragen", sagt Silja-Leena Stawikowski, Aon-Expertin für politische Risiken. Auch Zerwürfnisse zwischen den westlichen Mächten hätten...
Roland Berger: „Hartz IV ist bereits ein Grundeinkommen“ Hamburg (ots) - Deutschlands Wirtschaftsspitzen und Investoren bekommen die Leviten gelesen: Beraterlegende Roland Berger (80) mahnt deutsche Führungsriegen im Tacheles-Talk mit dem DUB UNTERNEHMER-Magazin, den Wertekanon nicht aus den Augen zu verlieren: "Die Eliten konzentrieren sich aus Sicht der breiten Bevölkerung zu sehr auf sich selbst - darauf, Geld zu verdienen, auf ihre Karriere, ihren Erfolg, ihr Ansehen. Und sie spielen zunehmend weniger eine Rolle dabei, andere Menschen mitzunehmen", so Berger. Gleichzeitig erteilt er einem bedingungslosen Grundeinkommen, das sowohl von Wirtschaft...