Brüllende Stille, Kommentar zur Deutschen Bank von Bernd Neubacher

Frankfurt (ots) – Seit der Enthüllung, dass der Aufsichtsrat der Deutschen Bank einen neuen Chief Executive Officer sucht, ist die Stille, die den Konzern umgibt, kaum zu überhören. Dass der Aktienkurs angesichts dieser Sprachlosigkeit zur Wochenmitte nicht weiter eingebrochen ist, muss damit zusammenhängen, dass die Bank die Anleger nicht mehr enttäuschen kann. Nachdem Aufsichtsratschef Paul Achleitner schon am Dienstag die Gelegenheit verstreichen ließ, die Nachricht vom nahenden Chefwechsel zu dementieren, sollte er diesen nun möglichst rasch über die Bühne bringen, um den CEO John Cryan, sich selbst und den Konzern nicht weiter zu beschädigen.

Die Osterfeiertage scheinen wie geschaffen dafür, sich mit den vier anderen Mitgliedern im Nominierungsausschuss des Kontrollgremiums auszutauschen, die übrigen Aufsichtsräte von einer Lösung zu überzeugen, die Formalitäten zu klären und über die Personalie zu informieren. Ob die Nachricht eines nahenden Führungswechsels nun in der Bank selbst lanciert worden ist oder nicht – Achleitner und der Bank ist zu wünschen, dass sie nicht den zweiten vor dem ersten Schritt gemacht haben und der Headhunter Heidrick & Struggles sich im Namen der Bank nur deshalb bei potenziellen externen Kandidaten einen Korb geholt hat, damit das Prozedere Aktionären und deren Anwälten im Nachhinein keine Angriffsfläche bietet.

Legt man das Drehbuch zu Grunde, das die Bank bei ihrer jüngsten Kapitalerhöhung samt Strategiewechsel im März 2017 mit der Berufung von Christian Sewing und Marcus Schenck zu Co-Chefs geschrieben hat, müsste es nun auf dieses Duo hinauslaufen, und sei es nur übergangsweise, um ein noch längeres Vakuum an der Spitze zu verhindern – dies ist das Mindeste, was Aktionäre, Aufsicht, aber auch der Steuerzahler von der größten deutschen Bank, die 100.000 Menschen beschäftigt und 1,5 Bill. Euro Bilanzsumme wuppt, erwarten dürfen.

In dieser unseligen Konstellation liegt die Hypothek, mit der Sewing und Schenck ins Amt kämen: Zwar wäre damit vereitelt, dass die Berufung einer neuen Führung sie und ihre Gefolgsleute brüskieren würde, mit allen Reibereien, die damit verbunden wären. Am Markt aber könnten sie nach den Ereignissen dieser Tage als Interims-Lösung wahrgenommen werden. Nicht zuletzt: Für die Lage der Bank sind beide Vorstandsmitglieder mitverantwortlich. Einstweilen zählt für die Bank aber allein, eine Vorstandsspitze zu haben, die als solche wahrgenommen werden kann.

Quellenangaben

Textquelle:Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/30377/3903609
Newsroom:Börsen-Zeitung
Pressekontakt:Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren:

Booking.com will Flüge anbieten Berlin (ots) - Das Hotel-Buchungsportal Booking.com will künftig auch Flugreisen anbieten. "Wir wollen verstärkt auf der Website testen, was sich unsere Kunden über die reine Hotelbuchung hinaus wünschen", sagte Booking.com-Chefin Gillian Tans dem Berliner "Tagesspiegel" (Dienstagausgabe). Dazu würden auch Flugreisen gehören, da sie für die Kunden einen entscheidenden Einfluss auf die jeweilige Hotelbuchung hätten. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/reisen-booking-com-baut-aus /21133670.html Inhaltliche Rückfragen richten Sie bitte an: Der Tagesspiegel, Newsroom, Telefon: 030-29021-14909.Q...
Defeat Daimler Kommentar von Isabel Gomez zum Mercedes-Dieselskandal Frankfurt (ots) - Den Satz "Ein Defeat Device, sprich eine Funktion, die die Wirksamkeit der Abgasnachbehandlung unzulässig einschränkt, kommt bei Mercedes-Benz nicht zum Einsatz", hat Dieter Zetsche schon lange nicht mehr gesagt. Er stammt aus einem Interview, das die "FAS" kurz nach dem Bekanntwerden des Abgasbetrugs bei VW im September 2015 mit dem Daimler-Chef geführt hatte. Im März 2017, als die Behörden längst auch gegen Daimler ermittelten, äußerte sich Zetsche beim Genfer Autosalon zurückhaltender. Es sei ein Fehler der Hersteller gewesen, beim Diesel die gesetzlichen Spielräume in s...
Presseeinladung zum 55. DAV-Wirtschaftsforum 2018 in Potsdam: Chancen der Digitalisierung in der … Berlin (ots) - Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung sind die Entwicklung ländlicher Räume, die flächendeckende (Gesundheits-) Versorgung und eine dynamische Digitalisierung als Ziele verankert. Dies und mehr wird auf dem 55. Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) diskutiert, zu dem wir Sie am 25. und 26. April 2018 in das Dorint Hotel Sanssouci, Jägerallee 20, 14469 Potsdam, einladen möchten. Für Ihre Berichterstattung weisen wir Sie gerne auf diese Programmpunkte hin: - Mittwoch, 25. April, 10.00 Uhr: Politischer Lagebericht des DAV-Vorsitzenden Fritz Becker - Mittw...