Expertin Marina Chernivsky fordert pädagogische Interventionen gegen Antisemitismus an Schulen

Berlin (ots) – Die Leiterin des Kompetenzzentrums Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), Marina Chernivsky, fordert pädagogische Interventionen gegen Antisemitismus an Schulen. »Werden solche Zwischenfälle nicht thematisiert, bekommen die Jugendlichen die Botschaft, dass das, was sie denken und was sie tun, akzeptiert ist«, sagte Chernivsky der in Berlin erscheinenden Tageszeitung »neues deutschland« (Wochenendausgabe). Das ZWST arbeitet seit 15 Jahren zu den Themen Antisemitismus und Rassismus und bietet Schülern und Eltern Unterstützung und Opferberatung an. Laut Chernivsky sind antisemitische Diskriminierungen an vielen Schulen leider an der Tagesordnung: »Die Spannbreite reicht von abschätzigen Kommentaren im Geschichtsunterricht über Beschimpfungen, Schmierereien auf der Schultoilette, bis hin zu tätlicher Gewalt.«

Die Schulen müssten mit Kompetenz und vor allem schnell auf solche Vorfälle reagieren, um Antisemitismus wirksam entgegenzutreten, forderte Chernivsky. Wichtig sei, dass die Schule nach einem Vorfall mit den Eltern Kontakt aufnimmt und nicht etwa versuche, die Dinge unter den Teppich zu kehren. Die Leiterin des Kompetenzzentrums verwahrte sich auch gegen den Pauschalvorwurf, dass Muslime per se antisemitischer seien als andere. »Ressentiments können nicht nur über die Religion erklärt werden. Diese Verknüpfung lenkt vom Problem ab.« Neben der Verbesserung einer Betroffenberatung, so Chernivsky. wäre es ein wichtiger Schritt, wenn die Beschäftigung mit dem aktuellen Antisemitismus Teil der pädagogischen Ausbildung wäre. »Pädagogen sollten daher befähigt werden – vor allem in ihrer Ausbildung und dann auch im Rahmen praxisbegleitender Fortbildung – mit Antisemitismus an der Schule kompetent umzugehen«, sagte Chernivsky dem »nd«.

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