Kommentar zu den hohen Abbrecherquoten in der Berufsausbildung

Berlin (ots) – Eigentlich sind es beliebte, wenn nicht gar Traumberufe für Jugendliche: Koch, Friseur, Restaurantfachkraft. Deshalb beginnen sie der kargen Bezahlung zum Trotz eine Ausbildung. Friseure bekommen im ersten Lehrjahr zwischen 210 und 450 Euro pro Monat, die anderen Genannten unwesentlich mehr. Wo es einen Tarifvertrag gibt, ist alles etwas besser. Aber wo ist das in der Gastronomie und im Friseurhandwerk schon der Fall? Vielleicht würden Azubis die miserable Bezahlung sogar in Kauf nehmen, wenn der Job ansonsten Spaß macht. Doch der Spaßfaktor in Salons und Restaurants ist ähnlich niedrig wie die Vergütung. Da müssen sich Friseur-Azubis teure Scheren selbst kaufen, statt Locken zu legen, müssen sie den ganzen Tag fegen – die Dauerwelle können sie ja nach Ladenschluss üben. Und in der Gastronomie sind überlange Arbeitstage, abends und an den Wochenenden ohne Ausgleich schlechter Standard. Kein Wunder, dass jeder zweite Auszubildende hier die Flucht ergreift.

Der Rat von Älteren, doch auch mal die Zähne zusammenzubeißen, weist den falschen Weg. Schlechte Arbeitsbedingungen sind nicht zu erdulden, sondern zu verbessern. Denn am niedrigsten ist die Abbrecherquote in Berufen, wo Vergütung und Ausbildungsbedingungen stimmen. Den brüllenden Chef kann man nicht verbieten, doch der Gesetzgeber kann durchaus etwas beitragen. Die Mindestvergütung für Azubis ist ein Ansatzpunkt, die Stärkung der Tarifbindung ein weiterer. So lange sich hier nichts bewegt, hilft eben nur die Desertion.

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