Dr. Dieter Zetsche: „Wir wollen unsere Spitzenposition, die wir uns im Kerngeschäft erarbeitet …

Berlin (ots) –

Exklusiv-Interview mit Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche vor der Hauptversammlung, die heute um 10 Uhr in Berlin begonnen hat

Anmoderation:

Die Botschaft, die Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche gerade bei der Hauptversammlung den Aktionären des Konzerns überbringt, ist einfach, aber wichtig: „Daimler kann mehr!“. Lange war das Daimler-Geschäftsfeld klar definiert: erstklassige Autos entwickeln, bauen und verkaufen! Das reicht aber in Zukunft nicht mehr aus. Der Automobilindustrie steht ein Wandel bevor! Zetsche stimmt seit 10 Uhr heute Morgen (05.04.) die rund 5.000 Aktionärinnen und Aktionäre im CityCube in Berlin auf diese Veränderungen ein. Veränderungen, für die der Konzern gut gerüstet ist, denn 2017 war für die Daimler AG erneut ein Rekordjahr. Wir haben vor der Hauptversammlung ein Exklusiv-Interview mit Dr. Dieter Zetsche über die Zahlen des vergangenen Jahres, das Thema autonomes Fahren, Bündelung der Mobilitätsdienstleistungen, Elektromobilität und die dafür notwendigen Veränderungen der Unternehmensstrukturen geführt:

1. Herr Dr. Zetsche, Sie stellen auf der Hauptversammlung gleich Rekordzahlen in allen Unternehmensbereichen vor. Was werden Sie den Aktionären sonst noch präsentieren? Selbstverständlich geht es in der Hauptversammlung zunächst einmal um den Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres und dort können wir historische Bestzahlen vorweisen. Das ist natürlich sehr erfreulich und das neue Jahr hat entsprechend positiv angefangen. Natürlich gibt es auch Themen, die über das Jahr hinausgehen, und dafür interessieren sich unsere Aktionäre sicherlich auch. (0:24)

2. Diese Themen fassen Sie in Ihrer Rede unter dem Motto „Daimler kann mehr!“ zusammen. Was genau meinen Sie damit? Gerade vor dem Hintergrund, dass wir uns in Bestform präsentieren, ist der Blick in die Zukunft interessant. Wir wissen alle, dass sehr, sehr viele und grundlegende Veränderungen, insbesondere auch durch neue technologische Möglichkeiten, in der Automobilindustrie zu gewärtigen sind. Und vor dem Hintergrund ist die durchaus zuversichtliche Aussage „Wir können mehr“ darauf gerichtet, dass wir unsere Spitzenposition, die wir uns in den letzten Jahren in unserem Kerngeschäft erarbeitet haben, auch in den neuen Geschäften in der Zukunft erreichen wollen. (0:31)

3. Das Thema autonomes Fahren hat vor zwei Wochen Schlagzeilen gemacht, als es in den USA mit einem autonom fahrenden Auto einen Unfall mit Todesfolge gab. Sie entwickeln das autonome Fahren – wie Ihre Experten es ausdrücken – zum „Level 5“. Was bedeutet das? „Level 5“ heißt, dass das Auto tatsächlich voll autonom ist, man spricht in diesem Zusammenhang auch von Robo-Taxis. Unsere primäre Motivation, Fahrzeugen das Selbstfahren beizubringen, kommt gerade aus der Zielsetzung, die wir schon sehr lange verfolgen: der Vision des unfallfreien Fahrens. Und wir werden dieser visionären Vorstellung mit autonomen Fahrzeugen noch mal erheblich näherkommen können. Das heißt nicht, dass autonome Fahrzeuge grundsätzlich keine Unfälle mehr gewärtigen würden. Natürlich gibt es physikalische Zustände, in denen ein Zusammenprall nicht mehr vermeidbar ist, aber wir können insgesamt die Zahl der Unfälle nochmals deutlich reduzieren. Insofern ist für uns bei dieser Entwicklung die Sicherheit die oberste Priorität und steht im Vordergrund. (0:48)

4. Vor einer Woche haben Sie bekanntgegeben, dass Sie Ihre Mobilitätsdienstleistungen bündeln werden. Ihr Anbieter car2go wird mit dem BMW-Dienst DriveNow ein ganzheitliches Angebot machen. Warum haben Sie diesen Schritt gemacht? Gerade bei den Mobilitätsdiensten ist die Größe ein ganz wichtiger Punkt, weil nur durch die Größe dann auch der Komfort für den Kunden sichergestellt werden kann. Wenn sie beispielsweise auf ein Taxi warten oder wenn Sie auf ein Fahrzeug, das Sie teilen, zurückgreifen wollen, dann ist entscheidend, wie lange Sie warten oder wie weit Sie laufen müssen, um ein solches Fahrzeug zu finden. Und je größer die Dichte ist, desto kürzer sind diese Zeiten. Deshalb ist es sinnvoll, dass wir in diesem Feld unsere Kräfte bündeln, dass wir dem Kunden die Angebote, die heute auf beiden Seiten existieren, zukünftig gebündelt anbieten können, sodass der Kunde eine noch bessere Leistung von uns bekommen kann. Und wir glauben, dass wir die heute schon in den Mobilitätsdiensten führende Position, die wir bei Daimler in Europa heute innehaben, durch die Zusammenarbeit weiter verstärken und noch mehr in den Vordergrund stellen können. (0:54)

5. Sie planen, Ihr Unternehmen in vier rechtlich selbstständige Einheiten umzustrukturieren. Welche Vorteile wird das haben? Das ist ja ein Thema, das wir auf der nächsten Hauptversammlung – so Aufsichtsrat und Vorstand sich letztlich dazu entscheiden – den Aktionären zur Entscheidung vorlegen wollen. Zielsetzung ist, die Daimler-Gesellschaft von heute in dann vier rechtlich eigenständige Gesellschaften aufzuteilen und damit insgesamt flexibler zu machen für nahezu jedwede mögliche zukünftige Entwicklung, die wir heute vielleicht noch nicht voraussehen können. Wir werden uns in den einzelnen Geschäften noch stärker auf den jeweiligen Kunden fokussieren können, uns noch passgerechter auch direkt im Abgleich zu den Wettbewerbern in den jeweiligen Kundensegmenten zur optimalen Lösung entwickeln können, gleichzeitig aber auch die Möglichkeit haben, zum Beispiel Kooperationen einzugehen, die aber nur eine heutige Division – und morgen Geschäftsfeld – betreffen und nicht alle. (0:55)

6. Bei der Aktionärsversammlung heute senden Sie ein deutliches Signal in Richtung Elektromobilität: Neben der neuen A-Klasse sind das Mercedes-Benz Concept EQ und der Mercedes-Benz Elektro-Sprinter rechts und links auf der großen Bühne platziert. Signalisieren Sie damit Ihren Anteilseigentümern ganz bewusst – dahin geht der Weg? Wir haben ja schon im letzten Jahr von dem Sowohl-als-auch gesprochen. Wir sind in unserem Kerngeschäft heute hervorragend unterwegs, das gilt für alle Divisionen. Das soll auch in Zukunft so gelten. Aber natürlich ist dabei der alternative Antrieb eine ganz wichtige Zukunftsentwicklung, in der wir federführend mitgestalten wollen, wenn wir mit unserer Annahme in 2025 – jetzt auf der Pkw-Seite – zwischen 15 und 25 Prozent unserer Produkte vollelektrisch im Markt absetzen zu können, dann sind natürlich noch 75 bis 85 Prozent mit Verbrennungsmotoren ausgestattet. Deshalb ist eben das Sowohl-als-auch wichtig, dass wir uns klar committen, mit hohen Investitionen in diese zukünftigen emissionsfreien Antriebe investieren, gleichzeitig aber ein hoch wettbewerbsfähiges Angebot mit unseren Verbrennungsmotoren weiterhin haben werden. (0:54)

7. Der heutige Tag wird lang für alle Beteiligten. Im Normalfall dauert eine solche Aktionärsversammlung bis in den späten Abend. Was bedeutet eine Hauptversammlung für Sie persönlich: Last oder Lust? Das Unternehmen gehört den Aktionären und dieser Tag gehört den Aktionären. Insofern ist meine Gefühlslage dort nicht im Vordergrund stehend, sondern wir wollen den Aktionären die bestmögliche Auskunft über ihr Unternehmen geben und ihre Zuversicht noch weiter stärken, dass sie sehr gut beraten sind, Aktionäre von Daimler zu sein, weil wir nicht nur eine hervorragende Gegenwart, sondern auch eine sehr vielversprechende Zukunft aufweisen können. (0:27)

Abmoderation:

Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche im Exklusiv-Interview. Um 10 Uhr hat heute Vormittag die Hauptversammlung der Daimler AG im CityCube in Berlin begonnen.

Quellenangaben

Textquelle:Daimler AG, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/68912/3908258
Newsroom:Daimler AG
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