Nachsteuern Kommentar von Friedrich Roeingh zur Langzeitarbeitslosigkeit

Mainz (ots) – Ja, die durchschnittliche Dauer von Langzeitarbeitslosigkeit steigt an. Und das ist schon deshalb ein Problem, weil sich dieser Trend mit der Aufnahme von hunderttausenden minderqualifizierten Flüchtlingen in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Nein, dieser Trend zur Verlängerung von Langzeitarbeitslosigkeit ist nicht der Beweis dafür, dass die Einführung von Hartz IV ein Fehler war. Das Gegenteil zeigt sich, wenn man auf die Entwicklung der Fallzahlen schaut. Bei der Einführung von Hartz IV 2005 hatten wir in Deutschland 1,7 Millionen Arbeitslose, die länger als ein Jahr ohne Beschäftigung waren. Heute sind es rund 850.000. Der Grund für die Verlängerung von Langzeitarbeitslosigkeit liegt eher darin, dass der boomende Arbeitsmarkt in Deutschland die besser vermittelbaren Arbeitslosen längst aufgenommen hat. So sind die verbliebenen Langzeitarbeitslosen im Durchschnitt besonders schwer in Lohn und Brot zu bringen. Das heißt nicht, dass die Arbeitsmarktpolitiker die Hände in den Schoß legen könnten. Die Arbeitsverwaltung ist mit der immer schwieriger zu vermittelnden Klientel schlicht überfordert. Das Gesetz schreibt einen Betreuer für 150 Hartz-IV-Empfänger vor. Modellversuche zeigen, dass bei einer Verdoppelung der Betreuer auch doppelt so viele Langzeitarbeitslose in Arbeit gebracht werden könnten. Außerdem sind die Verwaltungskosten in den Jobcentern – bei der Jagd nach möglichst präziser Einzelfallgerechtigkeit – viel zu hoch. Im Durchschnitt erhält jeder Hartz-IV-Bezieher zehnmal im Jahr einen Bescheid! Merke: Nicht mit allen Verbesserungsansätzen kann man Schlagzeilen machen.

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